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Medley…

4. April 2009

… oder die derzeitige auditiv-Schrägstrich-visuelle Film-Schrägstrich-Comic-Ästhetik – und noch irgendwas mit Musik oder so. Beim Schreiben dieses so bedeutungsschwangeren Satzes dachte ich an die letzten Verfilmungen von „The Incredible Hulk”, „Iron Man” und „Watchmen”. Mit Comic-Verfilmungen ist das ja immer so eine Sache…
Vorweg: Ich kenne mich mit Comics nicht aus. Nicht. Im Sinne von: NICHT! Deshalb soll es hier (eigentlich) nur um deren Verfilmungen gehen. Die sensiblen Gemüter aller echten Comic-Anhänger sollen geschont werden.
Nun, wie gesagt, mit derartigen Kino-Adaptionen ist das immer so eine Sache. Aber ich will jetzt nicht auf irgendwelche Plot-Vorstellungen oder gar auf einen gewissen Hang zur Realitätsnähe eingehen. Das ist schon lange abgehakt. Wobei man ja der Ehrlichkeit halber sagen muss, dass sich Regisseure und Drehbuchschreiber heutzutage selbst in diesen Bereichen wahrlich Gedanken machen. Die beiden nachmillennianischen (ich kann mir nicht vorstellen, dass es dieses Wort gibt, aber ich hoffe, die Bedeutungsintention dahinter ist verständlich) Kino-Auflagen von Batman sind da ein herausragendes Beispiel. Aber dazu vielleicht ein andermal. Zurück zum Thema.

Von kaputten Helden und komischen Werbemenschen

„Watchmen”. Ein Kinobesuch, der sich wirklich gelohnt hat. 162 Minuten schräge Antihelden-Helden, anmutige Düsternis, triste Grazie, neu-coole Sprüche, karikierende Politikdarstellung (man schaue sich nur mal Nixons Nase an) und ein wunderbar kaltes Ende. Dazu noch gute Sitzplätze, ein Eimer Popcorn und 25 Minuten trailer- und werbungsbedingte mentale Vorbereitungszeit. Schöner Abend.
Auch toll, wie lehrreich diese Film-Trailer sein können. „Demnächst. Nur im Kino!” Lädt das nicht irgendwie zum Lachen ein? Ich bin kein Freund von Film-Rips, vor allem nicht von Kino-Rips (da ist die Qualität meist so mies), aber bei solchen Sprüchen mache ich mir dann schon so meine Gedanken. Denn eigentlich will ich mit dem Geld, das ich für meinen Kinobesuch hinlege, nicht unbedingt Werbehanseln bezahlen, die solche absurden Ermahnungssprüche kreieren. Ich meine, mal ehrlich, wer bitte denkt sich so was aus? Wozu? Lässt sich davon auch nur EIN Ripper zu künftig mediengesetzlich vorbildlichem Handeln animieren? Naja, egal.

Bunter Blechmannspaß für zu Hause

„Iron Man”. Zwar kein Zack Snyder als Director, aber dafür ein ansehnlicher Cast. Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow und so weiter. Auch ein ganz besonderer Gaststar am Ende des Films. Man könnte diesen Gast eine Art Tourist Guy des Marveluniversums nennen. Aber all denen, die den Streifen noch nicht gesehen haben, will ich nichts vorweg nehmen. Diesmal kein Kinobesuch, sondern ein erstaunliches DVD-Sonderangebot auf Grund der Neueröffnung einer Filiale einer großen Elektronikkette.
DVDs haben (zumindest für mich als Heimkino-Nicht-Besitzer) den Nachteil, dass die Intensität der Kinoleinwand und des Digital-Surround-Keine-Ahnung-175,2-zu-14,7-Sounds fehlt – jedoch auch den Vorteil, dass man die Eindrücke wieder und wieder auf sich wirken lassen kann. Also: Kino hätte sich auf Grund der teilweise echt hübschen Actionszenen wahrscheinlich gelohnt. Aber in aller Ruhe daheim Originaltonspur und Synchronisation vergleichen zu können, um dabei festzustellen, dass dumme Sprüche nicht unbedingt durch die Übersetzung erst zu dummen Sprüchen werden, kann auch ganz nett sein.
Alles in allem ein schön bunter, spaßiger, total übertriebener Unterhaltungsfilm. Meine Empfehlung: Dazu eine Flasche Rum, Zitronensaft und Cola (wahlweise auch ein Kasten Gerstensaft), ausreichend Zigaretten und jemand, der einen danach noch auf ein TK-Konzert fährt. (Das musste sein.)

Enttäuschung in Grün

„The Incredible Hulk”. Die Verfilmung von 2003 hat mich enttäuscht. Die neueste Auflage mit Edward Norton in der Hauptrolle ließ mich hoffen. Ich meine, hallo?! Edward Norton! Der kann schauspielern und wird sich sicher nicht mit irgendwelchen Humbug-Drehbüchern abfinden…dachte ich. Ich scheine mich da jedoch getäuscht zu haben – nicht bei seiner schauspielerischen Leistung, jedoch beim Drehbuch. Wenn die Comicvorlage, aus der die besagte Filmessenz herausdestilliert wurde, genauso unausgegoren ist, dann kann ich mir nicht vorstellen (um bei der Alkoholallegorie zu bleiben), dass sie jemals viele Vollräusche verursacht hat und noch verursachen wird – jedenfalls nicht bei anspruchsvollen Trinkern, hier bleibt höchstens ein vollmundiger Kater. Eins muss man dem Film jedoch lassen: Er ist gut besetzt und hält für diejenigen, die bis zum Schluss durchhalten, ebenfalls noch einen schönen Gastauftritt parat. Einen comicweltenverbindenden Auftritt, der uns von „Hulk” wieder zurück zu „Iron Man” führt. Aber auch hier soll nicht mehr verraten werden. Ich bin sowieso der Meinung, Trailer, Teaser, Kritiken, Klappentextäquivalente und Geschreibsel wie dieses verraten heutzutage meist schon viel zu viel von den Dingen, auf die sie aufmerksam machen und die sie ankündigen sollen. Egal, wir sind auf halbem Weg zurück.

Musikalischer Rückweg

Nun, da stand doch noch irgendwas anderes im einleitenden Satz… Ach ja, die Sache mit der Musik. In diesem Bereich kann man den Hulk-Machern wirklich nichts vorwerfen. Der Score ist schon ziemlich gut geworden. Allerdings wollen wir uns von diesem Streifen nun wieder verabschieden und die Rückreise antreten.
Welcher Film wäre – allein vom Name her – prädestinierter für wenigstens ein musikalisches Glanzlicht?! (Jetzt mal von irgendwelchen Musical-Verfilmungen abgesehen).
Genau! Fünf Akkorde, verbaut zu einem knalligen Riff, dazu Ozzy Osbournes prägnant quäkige Stimme. That`s it! That`s Iron Man!
Der Film eröffnet musikalisch schon ziemlich rockig. AC/DCs „Back In Black” untermalt die anfängliche Wüstenfahrt ziemlich treffend. Später geben sich noch die Suicidal Tendencies und andere die Ehre. Und, wie anders gar nicht vorstellbar, bekommt man eine – erstaunlicherweise instrumentale – Version von Black Sabbaths Hit „Iron Man” zu hören. Auch hier ist der Score nicht schlecht, allerdings scheint die Musik im Film insgesamt doch eher unterrepräsentiert zu sein. Schade irgendwie.
Jedoch schaffen wir von hieraus den Sprung zurück zu „Watchmen”. Dieses bittersüße Stück Filmkunst zwingt dem Publikum seinen semimisanthropischen Geist auch durch eine geniale Musikwahl auf.
Die Welt ist – wie gewöhnlich – schlecht gelaunt, alles geht den Bach runter und nebenbei steht noch ein Atomkrieg bevor. Es gibt ein paar Leute mit schräg-witzigen Künstlernamen, die sich in komischen, kitschigen – das Wort „lächerlich” verkneife ich mir an dieser Stelle – Kostümen dem „Bösen” (wie das immer so schön heißt) auf nur sehr bedingt sozial verträgliche Art und Weise gegenüberstellen. Gut, Rorschach soll hier mal außen vor gelassen werden. Der wirkt seinem Umfeld noch am ehesten angepasst, noch am „coolsten” – was die Kleidung und den Namen angeht. Auch Dr. Manhattan muss, zumindest für die Wahl seines Erscheinungsbildes, von Kitsch und Komik freigesprochen werden…
Hmm, wie unterlegt man jetzt musikalisch ein solches Szenario? Egal, wie lang sich die Macher des Films diese Frage gestellt haben, sie wussten sie zu guter Letzt zu beantworten: Neben Richard Wagner, Leonard Cohen, Janis Joplin, Simon and Garfunkel, Bob Dylan, Jimi Hendrix und anderen kommt sogar Nena mit „99 Luftballons” zum Einsatz…
Selten so bitter gelacht. Selten eine so schön gegensätzliche und trotzdem – auf diese widerstreitende Art – die Situationsstimmung passend darstellende Verbindung von Film und Musik erlebt.
Und dann darf natürlich auch der Theme Song nicht vergessen werden. My Chemical Romance mit dem Bob-Dylan-Cover „Desolation Row”. Meiner Meinung nach nicht der beste Dylan-Song, aber doch ziemlich steil neuaufgelegt. Erstaunlicherweise extrem punkig neuaufgelegt, was ich von My Chemical Romance jetzt nicht unbedingt erwartet hätte.
Auf jeden Fall lohnt sich dieser Film allein schon wegen der Musik.

The End is just the Beginning

Ich glaube, das war`s – vorerst. Ein Sequel von „Watchmen” kann ich mir nicht vorstellen und von einer weiteren Verfilmung von „Hulk” würde ich persönlich erstmal abraten. „Iron Man 2″ ist jedoch schon in der Mache. Und man kann gespannt sein, was das wird.
Wie immer: Am Ende ist das Böse bezwungen und die Welt einmal mehr gerettet, doch nur für den Moment. Somit werden weder Comicschreiber noch Filmemacher in nächster Zeit ausstreben – und Musiker sowieso nicht. Man kann also mit weiterem auditiv-Schrägstrich-visuellen Film-Schrägstrich-Comic-Material rechnen – und, wie nicht anders zu erwarten, natürlich auch mit musikalischem Diskussionsstoff.

Um es mit den Worten des Comedians zu sagen: „Just a matter of time, I suppose.”

 
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